TODESSTRAFE 2008

23 März 2008

Auch im Jahr 2008 rücken wir einer Welt ohne Todesstrafe etwas näher.

Bei der UN Generalversammlung im Dezember 2008 stimmte eine große Mehrheit der Staaten der zweiten Resolution für ein Moratorium mit Blick auf die vollkommene Abschaffung der Todesstrafe zu. Die Annahme dieser Resolution festigt den stetigen Fortschritt in diese Richtung von drei Jahrzehnten. Sie ist weiters ein wichtiges Werkzeug, um jene Länder, die noch an der Todesstrafe festhalten, anzuspornen, die Anwendung dieser schwersten aller Strafen zu überdenken und letzten Endes zu deren Abschaffung zu gelangen.

Europa und Zentralasien sind im Grunde genommen ohne Todesstrafe, nachdem auch Usbekistan mit 01.01.2008 die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft hat. Ein einziges Land fehlt noch und das ist Belarus.

Auf dem amerikanischen Kontinent ist es nur ein Staat – die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) – die weiterhin exekutieren. Aber selbst die USA bewegten sich im Jahr 2008 etwas weg von der Todesstrafe. Seit 1995 gab es die niedrigste Anzahl an Hinrichtungen.

Mehr als zwei Drittel aller Staaten weltweit haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Darüber hinaus konnte Amnesty International registrieren, dass nur in 25 der 59 Staaten, die die Todesstrafe beibehalten haben, auch tatsächlich Hinrichtungen durchgeführt wurden. Dies zeigt eine zunehmende Übereinstimmung auf internationaler Ebene und bestätigt gleichzeitig, dass die Todesstrafe mit den Menschenrechten nicht in Einklang gebracht werden kann.

Den positiven Entwicklungen stehen jedoch eine Anzahl hartnäckiger Herausforderungen gegenüber. Staaten in Asien führten 2008 mehr Exekutionen durch als der Rest der übrigen Welt. Das Gebiet mit der zweithöchsten Anzahl nachgewiesener Hinrichtungen war der Mittlere Osten.

So weit bekannt ist, wurden 2008 mindest 2.390 Menschen in 25 Ländern hingerichtet und mindest 8.864 Menschen in 52 Ländern zum Tode verurteilt.

Die häufigsten Hinrichtungsarten waren Enthaupten (Saudi Arabien), Elektrischer Stuhl (USA), Hängen (Bangladesch, Botswana, Ägypten, Iran, Irak, Japan, Malaysia, Pakistan, St. Kitts & Nevis), Giftspritze (China, USA), Erschießen (Afghanistan, Belarus, China, Indonesien, Iran, Mongolei, Vietnam), Steinigen (Iran)

Dem Trend des vergangenen Jahres wurden auch 2008 China, Iran, Saudi Arabien, Pakistan und die Vereinigten Staaten von Amerika gerecht. Diese fünf Staaten trugen 93% aller Exekutionen weltweit aus. In Zahlen heißt das China 1.718(470), Iran 346(317), Saudi Arabien 102(143), USA 37(42), Pakistan 36(135). Weitere Hinrichtungen gab es in Irak 34(33), Vietnam 19(25), Afghanistan 17(15), Nordkorea 15, Japan 15, Jemen 13(15), Indonesien 10, Libya 8(9), Bangladesh 5, Belarus 4, Ägypten 2, Malaysia1, Mongolei 1, Sudan 1, Syrien 1, Vereinigten Arabischen Emirate 1, Bahrain 1, Botswana 1, Singapur 1 und St. Kitts und Nevis 1. Die Zahlen sind Mindestangaben, jene in der Klammer betreffen zum Vergleich das Jahr 2007.

In China, Belarus, in der Mongolei und in Nordkorea wird die Todesstrafe geheim gehalten.

Nun die Liste der Länder ohne und mit Todesstrafe:

92
10
36
138
59

Index: ACT 50/003/2009

Downloads zum Thema:
karte_hinrichtungen-und-todesurteile-2008.pdf
karte_staaten-mit-und-ohne-todesstrafe.pdf

1)Informationen zum Abschaffungsstand der Todesstrafe in allen Ländern der Welt:
http://www.amnesty-todesstrafe.de/files/reader_wenn-der-staat-toetet_laenderliste.pdf

2)Allgemeine Zahlen und Fakten zum Thema Todesstrafe:
http://www.amnesty-todesstrafe.de/files/reader_wenn-der-staat-toetet.pdf

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