Hinrichtungsarten

Zum Vollzug der Todesstrafe fanden seit dem 20. Jahrhundert folgende Methoden Anwendung:

Elektrischer Stuhl
Enthauptung
Erhängen
Erschießen
Gaskammer
Giftspritze
Steinigung

(Die Auflistung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge und repräsentiert nicht die Häufigkeit der Anwendung einzelner Hinrichtungsarten!)


Elektrischer Stuhl

USA: Elektrischer Stuhl
USA: Elektrischer Stuhl

Die weltweit erste Exekution auf dem elektrischen Stuhl fand am 6. August 1890 in Auburn/USA statt: An diesem Tag wurde William Kemmler hingerichtet, der im Vorjahr wegen Mordes verurteilt worden war. Die rechtliche Grundlage für die neue Exekutionsmethode bildete ein 1889 in Kraft getretenes Gesetz, das die Hinrichtung durch Elektrizität zuließ und vom Parlament des Bundesstaates New York verabschiedet worden war. Seine Befürworter hielten die elektrische Hinrichtung für humaner als das Erhängen des Verurteilten.

Dieser Entscheidung war 1886 die Einberufung einer Kommission vorausgegangen, welche die "humanste und praktischste Methode" der Hinrichtung erarbeiten sollte. Dabei ging man von dem bei schweren Elektrizitätsunfällen eintretenden Tod des Unfallopfers aus. Zur Hinrichtung sollte der von dem Industriellen George Westinghouse vertriebene Wechselstrom dienen, den er zur flächendeckenden Elektrizitätsversorgung der USA anbot. Sein Konkurrent Thomas Alva Edison befürwortete für die Versorgung Amerikas den Gleichstrom. Westinghouse befürchtete nun Rufschädigung und versuchte, die Hinrichtung durch das Bereitstellen von Staranwälten für Kemmler zu verhindern – was ihm aber nicht gelang.

Zur Exekution schnallt man den Verurteilten auf einem speziellen Stuhl fest. An zuvor kahl rasierten Stellen des Kopfes und der Beine werden dann angefeuchtete Kupferelektroden befestigt. Starke Stromstöße verursachen innere Organverletzungen und schwere Verbrennungen der Haut. Der Verurteilte verliert die Kontrolle über seine Muskelbewegungen, was häufig zum Urinieren, zur Darmentleerung oder zum Erbrechen von Blut führt. Der Tod tritt durch Herzstillstand und Lähmung der Atemwege ein.

Allerdings wurden seit Einführung dieser Exekutionsmethode auch immer wieder schwere Hinrichtungspannen dokumentiert, die den Delinquenten großen Qualen aussetzten: So brannten Transformatoren und Elektroden durch oder die Stromstärke reichte zur Tötung nicht aus, so dass mehrere Exekutionsversuche notwendig waren. Auch bei William Kemmler unterliefen Fehler, denn die Maschine erwies sich als zu schwach. Es waren zwei Stromstöße notwendig, zwischen denen einige Zeit verstrich, in der sich der Generator wieder aufladen musste, Kemmler aber schwer verletzt noch lebte. Die Anwesenden waren über die Vorgänge entsetzt. Auch der "New York Herald" kritisierte die unausgereifte Vorrichtung und den Horror dieser Exekution in seiner Ausgabe vom 7. August 1890.

Der elektrische Stuhl setzte sich v.a. in den südöstlichen Bundesstaaten der USA als Hinrichtungsmethode durch. Viele Staaten verzichten inzwischen jedoch auf seine Anwendung. Bis 1976 war er auch auf den Philippinen in Gebrauch.


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Enthauptung

Bei dieser heute hauptsächlich in islamischen Ländern praktizierten Hinrichtungsmethode wird der Kopf mit einem Schwert vom Körper abgetrennt. Zwar ist vorgesehen, dass die scharfe Klinge die Halswirbelsäule bereits beim ersten Schlag durchschneidet. Doch können in der Praxis dazu mehrere Hiebe notwendig sein, da der Hinrichtungsverlauf von mehreren Faktoren abhängt: Zum einen ist das Richtschwert eine verhältnismäßig leichte Waffe, so dass die Kraft des Henkers entscheidend wird. Zum anderen muss das Schwert scharf sein und der Henker den Schlag sehr präzise ausführen. Daher kommt auch seiner Erfahrung große Bedeutung zu.

Enthauptung in Saudi Arabien
Enthauptung in Saudi Arabien
© Rex Features

Zur Enthauptung finden sich im Mittelalter und in der Neuzeit viele historische Belege. Vor der Französischen Revolution war sie dem Adel vorbehalten. Dagegen galt die Hinrichtung am Galgen als ehrenrührig. Während der Revolution setzte sich die Guillotine durch, mit der man den Exekutionsvorgang rationalisieren und vor den Idealen der Revolution auch zur Gleichheit der Verurteilten beitragen wollte. Ihr geistiger Vater, der Mediziner Joseph Ignace Guillotin, führte besonders humanitäre Gründe an: Die Vorrichtung sollte dem Verurteilten unnötige Qualen ersparen. Er war seit 1789 Mitglied der Französischen Nationalversammlung, die sie am 20. Juli 1792 per Dekret als einziges Hinrichtungsinstrument einführte – allerdings unter dem Namen "Louisette".

Zwar wurde sie durch die Französische Revolution und die jakobinische Schreckensherrschaft populär; doch ist die Guillotine keineswegs ihre Erfindung, da sie seit dem Hochmittelalter historische Vorläufer u.a. in England und Schottland besaß. Ähnlich wie die herkömmliche Enthauptung blieb die Hinrichtung mit diesen Instrumenten v.a. Adeligen vorbehalten.

Während der napoleonischen Kriege wurde die Guillotine zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch in den deutschen Ländern eingeführt und blieb dort bis ins 20. Jahrhundert in Verwendung. Das Strafgesetzbuch des 1871 gegründeten Deutschen Reiches sah die Enthauptung als einzige Hinrichtungsmethode im Zivilrecht vor. Während des Nationalsozialismus starben etwa 12.000 Menschen unter dem Fallbeil (das in dieser Zeit eine von mehreren Exekutionsmethoden war). Zu ihnen gehörten u.a. die Mitglieder der "Weißen Rose". Zwar wurde die Todesstrafe 1949 in der Bundesrepublik Deutschland abgeschafft, doch stand die Guillotine in der Deutschen Demokratischen Republik bis 1968 in Verwendung. Aufgrund einiger Exekutionspannen richtete man anschließend durch den unerwarteten Nahschuss in den Hinterkopf. In Frankreich kam die Guillotine bis in die 1970er Jahre zum Einsatz. Dort wurde 1977 das letzte Todesurteil vollstreckt, bevor die Todesstrafe 1981 endgültig abgeschafft wurde.

Es gibt viele Berichte und Legenden über Personen, deren Körper nach der Enthauptung noch eine Zeit lang weitergelebt oder deren Kopf noch auf äußere Reize reagiert haben soll. Zur Klärung dieser Beobachtungen wurden mehrfach medizinische Untersuchungen an frisch Enthaupteten durchgeführt. Die Frage, ob die exekutierte Person noch einige Sekunden weiterleben kann, ist jedoch ebenso umstritten, wie die angebliche Beobachtung von Augenbewegungen und Sprechversuchen.


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Erhängen

Das Hängen gehört zu den ältesten Hinrichtungsarten und wurde bereits im antiken Römischen Reich angewandt. Im europäischen Mittelalter und der Neuzeit galt es als unehrenhaft und war besonders für niedere Stände sowie Vogelfreie vorgesehen. Dagegen galt die Enthauptung als ehrenhaft.

Iran: Todesstrafe durch Erhängen am Autokran
Iran: Todesstrafe durch Erhängen am Autokran
© IranMania/AFP

Zwei grundsätzliche Methoden des Hängens sind zu unterscheiden: das Strangulieren des Verurteilten sowie die Hinrichtung durch den so genannten "langen Fall". Beim Strangulieren wird dem Delinquenten eine Schlinge um den Hals gelegt, an der er vom Henker entweder in die Höhe gezogen wird oder in die er durch Wegziehen eines Stuhls oder einer Leiter kurz hineinfällt. Die Folgen sind die Blockierung der Halsschlagadern, der Wirbelarterien sowie der Atemwege. Sie bewirken, dass das Gehirn nicht mehr durchblutet und der Verurteilte bewusstlos wird. Nach einigen Minuten erstickt er. Zu den Begleiterscheinungen können die unwillkürliche Darmentleerung sowie bei Männern der Samenfluss gehören.

Beim "langen Fall", wie er in moderneren Hinrichtungsstätten angewendet wird, legt man dem Verurteilten ebenfalls einen Strick um den Hals und entzieht ihm den Boden durch Öffnen einer Falltür. Er stürzt in die Tiefe und wird nach einer zuvor berechneten Wegstrecke durch das Seil abrupt gestoppt. Ziel ist der schnelle Tod durch Genickbruch. Diese Hinrichtungsmethode erfordert seitens des Henkers ein hohes Maß an Erfahrung, da er die Länge des Stricks entsprechend dem Gewicht des Todeskandidaten berechnen muss. Zwar soll der Kopf durch den plötzlichen Ruck am Ende des Falls nicht abgerissen werden, allerdings kommt dies immer wieder vor, wenn die Fallstrecke zu lang berechnet wurde. Ist der Fall dagegen zu kurz oder wurde der Knoten nicht an der richtigen Stelle platziert, kann der Verurteilte schwer verletzt noch leben. Um seinen Tod herbeizuführen wird er dann an den Beinen nochmals nach unten gezogen.

In Großbritannien wurde das Hängen bis zur 1965 erfolgten Abschaffung der Todesstrafe für Mord praktiziert. Unter dem Einfluss des angloamerikanischen Rechtssystems hatte es sich im gesamten britischen Kolonialreich weit verbreitet und war bis ins 20. Jahrhundert auch im Strafrecht der USA eine häufig praktizierte Hinrichtungsmethode. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde es 1933 nach dem Reichstagsbrand neben der ohnehin schon vorgesehenen Enthauptung wieder eingeführt. Zu den Opfern dieser Methode zählten auch viele Widerstandskämpfer.

Eine Besonderheit sah das österreichische Strafrecht bis 1919 vor, wo man am Richtpfahl strangulierte: Dem vor dem Pfahl stehenden Verurteilten wurde vom erhöht hinter ihm stehenden Henker der am Pfahl befestigte Strick um den Hals gelegt, woraufhin ihn zwei seiner Gehilfen nach unten zogen. Nach der 1919 kurzzeitig erfolgten Abschaffung der Todesstrafe wurde das Hängen während des Austrofaschismus und nach dem 1938 erfolgten "Anschluss" an das nationalsozialistische Deutschland wieder praktiziert. Die zivile Todesstrafe wurde 1950 erneut abgeschafft.

Auch im Zuge der Kriegsverbrecherprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mehrere Verurteilte erhängt. Heute wird das Erhängen besonders in arabischen und asiatischen Ländern praktiziert.

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Erschießen

Exekutionskommando in Guatemala
Exekutionskommando in Guatemala. Einer der beiden stirbt nicht gleich...
Einer der beiden stirbt nicht gleich...
© Reuters

Das Erschießen ist die wohl am meisten angewandte Hinrichtungsmethode. Sie hat ihre Wurzeln im Militärstrafrecht und gilt dort als "ehrenvoll". Doch auch im zivilen Strafrecht wird sie praktiziert.

Erschießungen können auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden: Entweder werden sie von einem Einzelschützen oder von einem aus mehreren Schützen bestehenden Exekutionskommando vollstreckt. Dabei kann eines der Gewehre mit einer Platzpatrone geladen sein, um das Gewissen der Schützen zu beruhigen, den tödlichen Schuss evtl. nicht selbst abgegeben zu haben. Des weiteren können dem/den Schützen unterschiedliche Ziele vorgeschrieben sein: der Kopf des Verurteilten (Kopfschuss), das Genick (Genickschuss), der Rumpf, bzw. das Herz. Der Delinquent ist dabei an einen Pfahl angebunden oder steht vor einer Mauer, die zugleich als Kugelfang dient (daher auch der Ausdruck: "an die Wand stellen").

Sein Tod wird durch Verletzung lebenswichtiger Organe, durch Schädigung des zentralen Nervensystems oder durch Verbluten herbeigeführt. Auch das Erschießen führt nicht in jedem Falle zum sofortigen Tod des Verurteilten. Es ist durchaus möglich, dass Kugeln ihr Ziel verfehlen und das sogar absichtlich daneben geschossen wird. Schwer verletzte Todeskandidaten können durch einen so genannten "Gnadenschuss" endgültig getötet werden, den etwa der die Exekution leitende Offizier abgibt.

Erschießungen werden heute besonders in asiatischen Ländern, aber auch in Weißrussland und (selten) in den USA praktiziert. Im Strafrecht der einzelnen US-Bundesstaaten wurden sie durch die Anwendung der Giftspritze praktisch ersetzt. Das Strafrecht der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik kannte seit 1968 die Variante des unerwarteten Nahschusses in den Hinterkopf.


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Gaskammer

In einigen US-Bundesstaaten wird der Verurteilte in einer Gaskammer hingerichtet. Bei ihrer Einführung stand erneut die Suche nach einer möglichst humanen Hinrichtungsmethode im Mittelpunkt. Die erste Exekution dieser Art fand 1924 in Carson City/Nevada statt.

Bei dieser Art der Exekution wird der Todeskandidat in einer luftdichten Kammer auf einen Stuhl geschnallt. Nach dem Verschließen der Tür und der Betätigung des dafür vorgesehenen Mechanismus durch den Henker produziert eine unter dem Stuhl befindliche Vorrichtung Blausäure. Diese strömt in die Kammer und wird vom Todeskandidaten eingeatmet. Sie verhindert die Sauerstoffversorgung der Körperzellen, so dass der Verurteilte innerlich erstickt (Blausäurevergiftung).

Sollte er jedoch versuchen, sein Leben zu verlängern, indem er etwa instinktiv den Atem anhält oder langsamer atmet, so kann es zu schweren Komplikationen kommen. Daher wird den Verurteilten empfohlen, gleich zu Beginn tief einzuatmen. Die Geschwindigkeit der Tötung hängt auch von der produzierten Gasmenge ab.

Da der Todeskampf mehrere Minuten andauert und als äußerst grausam beschrieben wurde, entschieden sich mehrere US-Staaten für die Einführung der Giftspritze. Einige Bundesstaaten ließen in den 1990er Jahren Übergangslösungen zu: Wenn der Zeitpunkt ihrer Verurteilung oder des von ihnen begangenen Verbrechens vor einen bestimmten Stichtag gefallen war, konnten die Verurteilten zwischen der Gaskammer und der Giftspritze wählen. Für alle anderen war meist die Giftspritze vorgesehen.

Die Exekution in der Gaskammer kann durch Sichtfenster von Zeugen beobachtet werden. Auf der Brust des Todeskandidaten wird ein Stethoskop befestigt, das es einem sich außerhalb der Zelle befindlichen Arzt ermöglicht, die Herztätigkeit zu überwachen.

In einer US-amerikanischen Gaskammer starb 1999 auch der deutsche Staatsbürger Walter LaGrand in Arizona. Er war gemeinsam mit seinem Bruder Karl für einen 1982 begangenen Mord zum Tode verurteilt worden.

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Giftspritze

USA/Texas: Giftspritze
USA/Texas: Giftspritze © Gamma-Liaison/Spooner

Guatemalas erste Hinrichtung durch eine Injektion im Jahre 1998 war ein reines Desaster.
Guatemalas erste Hinrichtung durch eine Injektion im Jahre 1998 war ein reines Desaster. Zuerst gab es Probleme eine Vene zu finden, dann blutete er auf einmal ganz heftig und dann gab es noch einen Stromausfall, der den Fluß der Injektion stoppte. Manuel Martìnez Coronados Todeskampf dauerte 18 Minuten.
© Kimberly White / Reuters

In den USA wurde seit Ende der 1970er Jahre an der Möglichkeit einer medikamentösen Hinrichtung gearbeitet. 1982 wurde sie in Texas durch Verabreichung einer Giftinjektion erstmals an Charlie Brooks angewandt. Als Ersatz für die Hinrichtung in der Gaskammer wurde die Giftspritze seither in der Mehrheit der US-Bundesstaaten, welche die Todesstrafe vorsehen, eingeführt. Seither starben über 950 Verurteilte durch die Giftspritze, über 400 davon in Texas. Seit den 1990er Jahren ist sie auch von anderen Ländern übernommen worden: China (1997), Guatemala (1998), Philippinen (1999) und Thailand (2003).

In den USA werden dem auf einer Pritsche fixierten Verurteilten durch eine von zwei gesetzten Kanülen über einen Mechanismus verschiedene Substanzen injiziert, die in drei Phasen seinen Tod herbeiführen sollen: Zunächst wird die hinzurichtende Person durch Thiopental betäubt, es folgt die Lähmung der Muskeln inklusive der Atemmuskulatur durch Pancuronium, und letztlich die Lähmung des Herzmuskels durch Kaliumchlorid. Der Tod wird durch Ersticken und Aussetzen des Herzschlags herbeigeführt.

Auch die Hinrichtung per Giftspritze zeigt die Suche nach einem möglichst humanen und schmerzfreien Exekutionsverfahren, da der Verurteilte zuvor betäubt wird. Die Erfahrungen der Praxis zeigen jedoch erneut massive Komplikationen und das letztliche Scheitern des Vorhabens! Wirkt etwa das zuerst verabreichte Betäubungsmittel für einen zu kurzen Zeitraum, kann der Fall eintreten, dass die hinzurichtende Person die Wirkung der nachfolgend verabreichten Substanzen bei vollem Bewusstsein erlebt und einen qualvollen Tod stirbt. Da alle Flüssigkeiten durch einen einzigen Schlauch in den Körper injiziert werden, kann es – sofern auf Kochsalzspülungen nach jeder Injektion verzichtet wird – zu Ablagerungen und letztlich zur Verstopfung des Schlauchs führen, so dass die Hinrichtung unterbrochen werden muss. Es sollte erwähnt werden, dass die Verwendung von Pancuroniumbromid nach den Richtlinien der Amerikanischen Gesellschaft für Veterinärmedizin noch nicht einmal für das Einschläfern von Haustieren zulässig ist.

Am 10. Februar 1998 war Manuel Martinez Coronado der erste Verurteilte, der in Guatemala durch eine Giftinjektion hingerichtet wurde. Dabei dauerte es äußerst lange, einen Venenzugang zu legen und ein Stromausfall unterbrach die Zuführung der Gifte, so dass sein Sterben 18 Minuten dauerte. Auch bei Angel Nievez Diaz, der in Florida hingerichtet wurde, kam es am 12. Dezember 2006 zu schrecklichen Komplikationen, die zu einem 34minütigen, qualvollen Todeskampf führten. Aufgrund der offensichtlichen Grausamkeit wurden daraufhin Exekutionen durch die Giftspritze ausgesetzt und verfassungsrechtlich überprüft. Ein Grundsatzurteil des Supreme Court vom 16. April 2008 erklärte die Hinrichtung durch eine Giftinjektion jedoch für verfassungskonform.


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Steinigung

Nigeria: Todesstrafe durch Steinigung
Nigeria: Verfahren zur Todesstrafe durch Steinigung (wegen Ehebruchs) noch anhängig

Die Steinigung findet sich bereits in vielen alten Kulturen. An ihr war und ist die gesamte Gemeinschaft beteiligt, in welcher der Verurteilte lebt. Ursprünglich war sie wohl ein Akt der Lynchjustiz, fand jedoch in religiöse und staatliche Rechtsvorschriften Eingang. Das Alte Testament etwa kennt sie für Gotteslästerung oder Ehebruch. Hinweise auf sie finden sich bis ins Mittelalter auch in Skandinavien, England, Frankreich und Deutschland. Sie ist eine äußerst grausame Strafe, deren Praxis sich in manchen, nach der Scharia richtenden islamischen Staaten und Regionen bis heute erhalten hat. In den letzten Jahren wurde sie in manchen islamischen Ländern auch neu eingeführt.

Heutzutage wird der/die zum Tode Verurteilte zuvor in die Erde eingegraben – teilweise nur bis zur Hüfte, teilweise bis zum Hals. Anschließend wird er/sie bis zum Eintritt des Todes mit Steinen beworfen. Ähnlich wie beim Erschießen durch ein Exekutionskommando ist auch hier nicht eindeutig klar, wer den letztlich tödlichen Stein geworfen hat, so dass die Blutschuld auf die gesamte Gemeinschaft verteilt wird. Der Tod tritt durch schwerste Verletzungen des Kopfes oder anderer Körperteile ein. Es kann durchaus sein, dass ein Mensch mehrere Steinwürfe übersteht, ohne dabei das Bewusstsein zu verlieren, so dass diese Hinrichtungsmethode ein langes, qualvolles Sterben bewirkt. Dazu tragen auch gesetzliche Vorschriften bei, wie sie etwa im Iran existieren: Die Steine dürfen nicht so groß sein, dass die hinzurichtende Person bereits nach wenigen Treffern stirbt; sie dürfen aber auch nicht zu klein sein.

Statistisch gesehen sind Frauen weitaus häufiger von Steinigungen betroffen, als Männer. Für großes Aufsehen sorgte der Fall Amina Lawals, die wegen Ehebruchs in Nigeria zum Tod durch Steinigung verurteilt worden war. Nur dank massiver internationaler Proteste konnte sie jedoch vor der Hinrichtung bewahrt und eine Wiederaufnahme ihres Verfahrens erreicht werden. Dieses endete mit einem Freispruch.


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Literatur

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2007/08 © AI-Netzwerk gegen die Todesstrafe, 1150 Vienna, Austria